Die Kirche finden Sie mit dem umgebenden evangelischen Friedhof, sowie dem Gemeindehaus in der Talergasse.
Gottesdienste finden jeden Sonntag im Wechsel um 9 Uhr oder 10.15 Uhr statt.
Baldingen wurde erstmals 1240 urkundlich erwähnt.
Die damalige romanische Kirche aus dem 11./12. Jahrhundert wurde im 18. Jahrhundert abgerissen und die heutige barocke St. Gallus Kirche 1755 eingeweiht. Ihre Besonderheit ist der fast quadratische Saalbau. So versammeln sich die Gemeindeglieder von drei Seiten her um Altar, Kanzel und Taufstein. Im gegenseitigen Wahrnehmen betonen die Gottesdienstbesucher die Gemeinschaft der Gläubigen. Die ausführliche Kirchengeschichte finden Sie nachfolgend. Sie wurde aus der Dorfchronik von Helmut Guckert erstellt.
Weitere Infos zum Namensgeber und ein Panorama Bild vom Innenraum finden Sie hier.
Die Sankt-Gallus-Kirche, Baldingen, Talergasse 19, mit ihrem umliegenden ummauerten Friedhof bildet mit dem Goldbachsaal, dem ehemaligen Gasthaus „Zur Bretzge“ und dem Gasthaus „Zum Storchen“, dem Bäckerladen, dem Dorfplatz mit Maibaumstadel und dem evangelischen Gemeindehaus sowie dem Gemeindeamt den Dorfkern des Stadtteils Baldingen. Die Sankt-Gallus-Kirche ist wohl das älteste Gebäude im Dorf. Der Turm mit seinem quadratischen Grundriss, der im Untergeschoß anfangs als Chor diente, ist ein sehr alter romanischer Bau aus Backsteinen und dürfte im 11. bzw. 12. Jahrhundert errichtet worden sein. Die Kirche stand in Ost-West-Richtung. Als in der Mitte des 15. Jahrhunderts die alte romanische Kirche dem Verfall nahe war, baute man ein neues Kirchenschiff im gotischen Stil an den Turm an, das aber viel schmäler, jedoch länger als das heutige war. Da die Kirche zu klein war und immer baufälliger wurde, hatte man das alte Langhaus 1745 abgebrochen. Das neue Schiff, eine rechteckige Saalkirche mit der Längsausdehnung Nord-Süd wurde bereits vom Zimmermeister Hans Kaspar Uhlmann, Baldingen, mit Plan und Kostenvoranschlag entworfen, welcher 2 Jahre später nochmal revidiert wurde. Die Jahreszahl 1755 im Innern über der Sakristei-Tür weist wohl darauf hin, dass unter dem Einfluss des Baumeisters Johann David Steingruber die Kirche bis 1755 angebaut wurde, die auf allen vier Seiten in der Mitte mit einer Tür ausgestattet war. Der ehemalige Chorraum im Turm wurde als Sakristei eingerichtet.
1830 erhöhte man den Turm in achteckiger Bauweise mit neuem Turm-Dach, damit das Geläut im Dorf besser vernommen werden konnte. Im Jahre 1882 wurde die Kirche innen und außen restauriert. 1886 verursachte ein Gewittersturm schwere Schäden in Baldingen. Nach Beseitigung der Gewitterschäden hat man die Kirchenfassade 1890 neu bemalt. 1921 und 1934 erfolgten weitere größere Reparaturen und Restaurationen.
1932 wurde an Stelle der 1917 abgelieferten Glocke eine neue beschafft, welche schon 1941 im Zweiten Weltkrieg wieder abgeliefert werden musste. An ihre Stelle trat 1951 eine Glocke aus Klangstahl. Diese Stahlglocke steht nun auf dem Friedhof rechts vor dem Turm.
Eine Erinnerungstafel an die zahlreichen Spender und deren Spende „Zur Ehre Gottes „freiwilliger beitrag Zustellung einer Neuen Orgel alhíesiger Gemeind“ auf der linken Seite am Südausgang der Kirche weist auf die erste Orgel (1763), ein Werk der Wasseralfinger Orgelbaufirma Algeyer hin. Das schlichte Orgelgehäuse mit Oettinger Wappen ist vom Wallersteiner Maler Johann Balthasar Boos farblich gestaltet worden. Die Firma Steinmeyer, Oettingen, hatte ein neues Werk mit zwei Manualen, Pedal und zehn klingenden Registern im Jahre 1943 eingebaut. Der Spielbetrieb geschieht pneumatisch.
1977/78 fand eine grundlegende Sanierung und Restaurierung der Sankt-Gallus-Kirche statt. Die Wände wurden entfeuchtet, der Steinboden erneuert, der schadhafte Steinaltar durch einen beweglichen Holzaltar ersetzt, die westliche Tür zugemauert, neue Bänke eingebaut und durch eine neue Farbgebung die freundliche barocke Urform der 1755 erbauten Kirche wieder weitgehend erreicht. Die Gemälde stammen ebenfalls von dem Wallersteiner Maler Johann Balthasar Boos.
Die barock geschweifte Kanzel mit geschwungenem Korpus und Rokokodekoration, in den Feldern die Gemälde der vier Evangelisten mit ihren Symbolen, hängt, bekrönt von einem ebenso dekorativen und figurenreichen Schalldeckel über dem Sakristeieingang. An der Altarschranke ist die Abendmalszene wiedergegeben. Vor dem Altar steht der klassizistische Taufstein aus dem Jahre 1814 mit den Buchstaben I.H.C. Bemerkenswert sind auch die drei Grabplatten an der Ostwand der Kirche. Sie erinnern uns an Herrn Hans Widenmann, gestorben am 6. Juni 1611 im Alter von 62 Jahren und seine Frau Apollonia, gestorben am „Oberstag“ (06. Januar) 1608. Relief: Kruzifix und Familienwappen, an Herrn Johann Caspar Vogelgsang, „Brezgenwirt“, (Wirt, Gastgeber, Gerichtsmann und Untergänger), gestorben 20. Februar 1708 und an Frau Anna Maria Bosch, Brezgenwirtin, gestorben am 27. Dezember 1751.
An der Emporbrüstung finden wir Jesus, Maria, die zwölf Apostel, Paulus, Moses, David, Johannes den Täufer und erneut die vier Evangelisten. Am 23.07.1978 weihte Oberkirchenrat Dr. Walter Rupprecht die von Grund auf renovierte Baldinger Kirche neu ein. Die Sanierungskosten betrugen 373.000 DM.
In der Reparaturwerkstätte von Hans Lachenmayer, Nördlingen, wurden die kleine Taufglocke von 1681 und die größere Apostelglocke von 1430 im Jahre 1999 repariert. Am 17. September desselben Jahres wurde in der Karlsruher Glocken- und Kunstgießerei im Beisein zahlreicher Gemeindemitglieder die neue Glocke gegossen. Die neue und die zwei restaurierten Glocken konnten am 12. November mit einem Autokran auf das kirchturmhohe Gerüst gezogen und dann an den neuen Eichenjochen in dem Turm aufgehängt werden. Die ganze Maßnahme kostete 40.000DM. In einem feierlichen ökumenischen Gottesdienst am 2. Adventssonntag, den 5. Dezember 1999 weihten Dekan Horst Blasius und Dekan Paul Erber die Glocken und übergaben sie ihrer Bestimmung. Die ganze Gemeinde feierte dieses große Ereignis mit dem traditionellen Adventsnachmittag im Goldbachsaal. Bereits 2008 wurde die Sankt-Gallus-Kirche erneut außen restauriert.
Das Geläut ist als liturgisches Geläut bestimmt. Je nach Jahreszeit und Gottesdienst werden verschiedene Zusammenstellungen geläutet. Sie läuten zur Ehre Gottes und wollen die Gemeindeglieder zum Gottesdienst und Gebet rufen. Diese ehernen Stimmen rufen auch heute noch. „O Land, Land, Land höre das Herren Wort“. Die Entstehung der Glocken geht bis ins Mittelalter zurück. Sie werden in der Glockengießerei in eine Form aus Lehm gegossen. Der Glockenguss besteht meist aus 77 bis 80 Prozent Kupfer und 23 bis 20 Prozent Zinn. Die einzelnen Glocken tragen Inschriften und Namen aus der Bibel und den Kirchenvätern, ebenfalls meist noch ein christliches Symbol. Friedrich Schiller schildert im „Lied von der Glocke“ die Entstehung und den Guss der Glocken und untermalt diesen mit unserem menschlichen Leben. Der Tag in unseren christlichen Gemeinden beginnt mit dem Morgengebetläuten. Hier dankt ein Christ für die Ruhe der Nacht und befiehlt sich und die Seinen Gott für den kommenden Tag. Am Freitag beim Schied (=Scheideläuten) erklingt in Baldingen die „Vater unser Glocke“ auch „mittlere Glocke“ von den dreien genannt. Sie erinnert an den Abschied Jesu am Kreuz. Es folgt das Zwölfuhrläuten, das Friedensläuten. Hier betet die Gemeinde das Mittagsgebet und weist auf ein kurzes „Innehalten“ hin. Als letzten Überrest des Vespergottesdienstes wird um 15.00 oder 16.00 Uhr die Vesperglocke geläutet. Den täglichen Läutereigen beschließt das Abendgebetläuten. Hier wird mit dem Vorläuten der ersten Glocke die Hausgemeinde zusammen gerufen, damit unter dem Läuten der Betglocke der Abendsegen oder das Abendgebet gesprochen werden kann. Am Samstag wird durch mehrstimmiges Geläut der Sonntag eingeläutet und der Christ bereits eingestimmt auf den Sonntagsgottesdienst. Am Sonntag ertönt die erste Glocke eine Stunde vor Beginn des Gottesdienstes. Eine halbe Stunde bzw. heute wird 8 Minuten vor Beginn dann nochmals geläutet. Je nach Sonntag, Fest- und Feiertag folgt dann die Zusammenstellung des mehrstimmigen Gottesdienstgeläutes. Bei einem normalen Sonntagsgottesdienst sollen die zu Hause Gebliebenen daran erinnert werden, dass im Gotteshaus das „Vater unser“ gebetet wird (evangelisch) bzw. die „Wandlung“ stattfindet (katholisch). Ebenso erinnert beim Abendmahl die „Vater unser Glocke“ an das dreimal Heilig, beim Taufgottesdienst die Taufglocke (Kleine Glocke) an die Segnung des Kindes und die „Vater-unser-Glocke“ an die Segnung der Eltern. Ebenso zeigt die Trauglocke an, dass jetzt im Gotteshaus ein Brautpaar eingesegnet wird. Dies soll besonders für alte und kranke Menschen eine Hilfe und ein Hinweis sein, dass sie sich auch am Gottesdienst durch Gebet beteiligen können. Wenn ein Gemeindemitglied verstorben ist, zeigt es das 2 mal 3 Minuten Geläute (mit Pause von etwa 1 ¼ Minuten) der „Mittleren Glocke“ der Gemeinde an. Auf dem letzten Weg zum Leichenhaus und Friedhof ertönt das volle Geläut ebenfalls. Das weltliche Geläut: Der Stunden- oder Viertelstundenschlag stammt aus dem Mittelalter. Ein Großteil der Bevölkerung hatte keine Uhr und war von der Turmuhr abhängig. (siehe Kirchturmerhöhung) Um elf Uhr läutet unter der Woche eine Glocke, eine Mitteilung für den Fuhrmann und sein Gespann auf dem Feld sowie für die auf dem Feld arbeiteten Personen „es ist Mittag“ Zeit zum Füttern der Tiere und Mittagessen, besonders wichtig war es für die Bäuerin, die ja meist auf dem Feld mitarbeitete, sie musste nun schnell ein Mittagessen zubereiten. Als es noch keine Alarmsirenen gab (die Sirene wurde im Protokoll der FFW im Jahr 1959 erstmals erwähnt), wurden im Notfall (Feuer, Unwetter, Angriffsalarm) die Kirchenglocken geläutet. Während die Glocken früher mit Seilen von Hand geläutet wurden, geschieht dies heute fast überall mit elektrischen Läutemaschinen.
Siehe auch Neue Läuteordnung ab 1. Juli 2018 („Die Bunten Blätter, Nr. 115, 4/2018“)